
08.09.2026
Die deutschen Gasspeicher sind Anfang September nur zu rund 53 Prozent gefüllt – so niedrig wie zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren nicht mehr. Das aktuelle September-Update der INES-Gas-Szenarien zeigt: Technisch kann bis zum 1. November noch ein Füllstand von rund 77 Prozent erreicht werden. Entscheidend ist nun aber, ob die Speicherkunden ihre gebuchten Kapazitäten tatsächlich befüllen – und ob dies schnell genug geschieht. Mit ihrem bereits veröffentlichten Aktionsplan hat die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um die Speicherbefüllung kurzfristig zu stärken.
Die deutschen Gasspeicher starten mit einem historisch niedrigen Füllstand in die letzten beiden Monate der Befüllungsphase. Anfang September waren sie zu rund 53 Prozent gefüllt. Im Vorjahr war dieses Niveau bereits Ende Juni erreicht worden. Anfang September 2025 lag der Füllstand bei rund 71 Prozent und damit rund 20 Prozentpunkte höher als heute.
Seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren wurde zu dieser Jahreszeit kein vergleichbar niedriger Speicherfüllstand verzeichnet. Die Wiederbefüllung ist damit im bisherigen Jahresverlauf deutlich hinter dem notwendigen Tempo zurückgeblieben.
77 Prozent sind technisch noch möglich – gebuchte Kapazitäten müssen jetzt befüllt werden
Die aktuellen INES-Modellrechnungen zeigen, dass bis zum 1. November 2026 technisch noch ein Speicherfüllstand von rund 77 Prozent erreicht werden kann. Damit könnte der Füllstand nahezu an den aktuellen Buchungsstand von rund 83 Prozent heranreichen.
Die technische Möglichkeit allein garantiert jedoch noch keine entsprechende Befüllung. Entscheidend ist, ob die Speicherkunden ihre gebuchten Kapazitäten tatsächlich nutzen und in den kommenden Wochen ausreichend Gas einspeichern.
Dafür müsste sich das Befüllungstempo erheblich erhöhen: In den verbleibenden zwei Monaten bis zum 1. November müssten insgesamt mehr Gasmengen eingespeichert werden als in den vergangenen drei Monaten zusammen. Bleibt die Befüllung auf dem derzeit niedrigen Niveau, wird auch der technisch noch erreichbare Füllstand im weiteren Verlauf sinken.
Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern e.V. (INES), kommentiert: „Die deutschen Gasspeicher sind für diese Jahreszeit historisch niedrig gefüllt. Zwar können wir technisch noch einen Füllstand von rund 77 Prozent erreichen. Dafür reicht es aber nicht, dass Speicherkapazitäten lediglich gebucht sind. Die Speicherbefüllung muss wirtschaftlich tragfähig sein, damit sie von Marktakteuren auch tatsächlich realisiert werden kann.“
Bei extrem kaltem Winter reichen 77 Prozent nicht aus
Wie wichtig eine möglichst starke Befüllung vor dem Winter ist, zeigt die Sensitivitätsanalyse der INES-Gas-Szenarien. Bei normalen Wintertemperaturen wäre ein Füllstand von rund 77 Prozent zum 1. November nach den Modellrechnungen ausreichend, um die Gasversorgung im Winter 2026/27 vollständig zu gewährleisten. In diesem Szenario würden die Speicherfüllstände bis zum 1. April 2027 auf rund 38 Prozent sinken.
Bei extrem kalten Temperaturen reicht ein Füllstand von rund 77 Prozent hingegen nicht aus. An einzelnen Tagen im Januar kann es zu Unterdeckungen von über 25 Prozent kommen. Um die Gasversorgung auch bei extrem kalten Temperaturen vollständig gewährleisten zu können, sind deshalb ein höherer Buchungsstand und die tatsächliche Befüllung der gebuchten Kapazitäten erforderlich.
Aktionsplan von INES zeigt Maßnahmen für eine stärkere Befüllung auf
Ob die gebuchten Kapazitäten tatsächlich befüllt werden, hängt maßgeblich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Die aktuellen Marktbedingungen setzen keine ausreichenden Anreize für eine stärkere Einspeicherung. Insbesondere die infolge der Sperrung der Straße von Hormus gestiegenen Gaspreise und der teilweise sogar negative Sommer-Winter-Spread erschweren die Speicherbefüllung.
INES hat deshalb mit ihrem Aktionsplan konkrete Maßnahmen vorgelegt, mit denen die Speicherbefüllung kurzfristig gestärkt werden kann. Dazu gehören eine vollständige Rabattierung der Netzentgelte an Speicheranschlusspunkten und die Abschaffung der Konvertierungsumlage für die Speichernutzung. Darüber hinaus schlägt INES staatlich unterstützte, vergünstigte Finanzierungsmöglichkeiten – beispielsweise über die KfW – vor, um die Finanzierungskosten für einzuspeicherndes Gas zu senken.
Zusätzliche Ausschreibungen von Long-Term Options (LTO) können ebenfalls zusätzliche Einspeicherungen anreizen. Sie können nach Einschätzung von INES jedoch nur einen begrenzten Beitrag leisten und sollten deshalb als Bestandteil eines umfassenderen Maßnahmenpakets eingesetzt werden.
Speicher brauchen auch langfristig einen verlässlichen Rahmen
Über die kurzfristig erforderlichen Maßnahmen hinaus spricht sich INES für einen verlässlichen Rahmen aus, der eine ausreichende Speicherbefüllung und den Erhalt der für die Versorgungssicherheit benötigten Speicherkapazitäten dauerhaft gewährleistet. Dafür sollten wirtschaftliche Anreizmodelle, wirksam ausgestaltete Verpflichtungen oder eine Kombination beider Ansätze geprüft werden.
Ziel sollte ein Modell sein, das Versorgungssicherheit gewährleistet und zugleich möglichst große Spielräume für eine marktwirtschaftliche Speicherbewirtschaftung erhält.
HINTERGRUND ZU DEN INES-GAS-SZENARIEN:
INES modelliert fortlaufend die europäischen Gasmärkte, um die Sicherheit der Gasversorgung zu bewerten. Für das September-Update wurden die Szenarien auf Basis der realen Speicherfüllstände zum 1. September 2026 sowie aktualisierter Temperatur- und Verbrauchsdaten berechnet.
Eine ausführliche Beschreibung der Annahmen und Ergebnisse ist in der Dokumentation zum September-Update enthalten. Ein begleitender Foliensatz stellt die zentralen Inhalte übersichtlich dar.
INES veröffentlicht alle zwei Monate Updates zu den INES-Gas-Szenarien. Das nächste Update ist für den 10. November 2026 geplant.
Aktuelle Informationen zu den Gasspeicherfüllständen in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern können Sie jederzeit über die INES-Speicherkarte abrufen. Darüber hinaus können dort Speicherdaten nicht nur nach unterschiedlichen Speichertypen (Kavernen- und Porenspeicher) sondern auch nach Gasqualitäten (L-/H-Gas und Wasserstoff) gefiltert werden.
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