07.11.2023

INES veröffentlicht November-Update zu den Gas-Szenarien

Die Gasspeicher in Deutschland sind das zweite Jahr in Folge vollständig befüllt worden. Nur noch extrem kalte Temperaturen könnten unter den aktuellen Bedingungen in Deutschland zu einer Gasmangellage führen, zeigt das heute von der Initiative Energien Speichern e.V. (INES) vorgelegte November-Update zu den Gas-Szenarien.

Die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) hat heute das November-Update zu den Gas-Szenarien im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Die Gasspeicher in Deutschland sind mittlerweile vollständig befüllt worden. Der gesetzlich zum 1. November vorgeschriebene Füllstand in Höhe von 95 Prozent wurde damit übererfüllt und die Einspeicherphase erfolgreich zum Abschluss gebracht.

Wenn die Temperaturen im November weiter absinken, könnte die Ausspeicherphase schon in diesem Monat beginnen. Treten mittlere bis extrem kalte Temperaturen im Winter auf, werden die Gasspeicher umfangreich bzw. vollständig entleert. Die Einhaltung der gesetzlichen Füllstandsvorgabe in Höhe von 40 Prozent zum 1. Februar kann in diesen Fällen herausfordernd sein. Eine Gasmangellage ist aber unter den aktuellen Bedingungen nur bei extrem kalten Temperaturen zu befürchten.

Die gesetzlichen Füllstandsvorgaben wurden mit dem sogenannten Gasspeichergesetz (Teil 3a des Energiewirtschaftsgesetz, EnWG) eingeführt und sind bis zum 1. April 2025 befristet. Am 13. Oktober 2023 hat die Bundesregierung dem Bundesrat einen Vorschlag zur Änderung des Gasspeichergesetzes vorgelegt. Die Änderungsvorschläge umfassen im Wesentlichen folgende Punkte:

  • Verlängerung des Gasspeichergesetzes bis zum 30. März 2027
  • Zertifizierungspflicht für Gasspeicherbetreiber
  • Einführung von Bußgeldern für Gasspeicherbetreiber
  • Einführung der Pflicht für Gasspeicherbetreiber zum nutzerscharfen Füllstandsmonitoring
  • Einführung eines Ausspeicherverbots für Speichernutzer bei Unterschreitung der gesetzlichen Füllstandsvorgaben (ab dem 1. April 2024)

Nach Einschätzung der INES haben die Vorschläge der Bundesregierung zur Änderung des Gasspeichergesetzes nicht das Potenzial, um die Versorgungssicherheit weiter zu verbessern. Das vorgeschlagene Ausspeicherverbot könnte sich sogar negativ auf die marktwirtschaftliche Speichernutzung und damit auf die Sicherheit der Gasversorgung auswirken. Stattdessen könnten weiterentwickelte Gas-Optionen bzw. Befüllungsinstrumente zur Absicherung der Füllstandsvorgaben beitragen. Vor dem Hintergrund vollständig befüllter Gasspeicher sollten die Vorschläge zur Weiterentwicklung des Gasspeichergesetzes überdacht werden.

Im Rahmen der Vorstellung des November-Updates für die Gas-Szenarien kommentiert INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann (geb. Bleschke) die aktuelle Gasversorgungssituation und die vorgeschlagenen Änderungen zum Gasspeichergesetz wie folgt: „Trotz aller Herausforderungen haben die Betreiber und Nutzer der Gasspeicher ein zweites Jahr in Folge eine vollständige Befüllung der Gasspeicher erreicht. Für den anstehenden Winter bedeutet die vollständige Befüllung, dass nur noch extrem kalte Temperaturen unter aktuellen Bedingungen zu einer Gasmangellage führen könnten. Ich hoffe sehr, dass damit nicht nur das notwendige Vertrauen der Politik gewonnen, sondern auch die Grundlage dafür geschaffen worden ist, um von weiteren Eingriffen in die Speichernutzung abzusehen.“

 

HINTERGRUND ZU DEN INES-GAS-SZENARIEN:

Die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) modelliert fortlaufend die europäischen Gasmärkte, um die Sicherheit der Gasversorgung einzuschätzen. Auf dieser Basis und unter Berücksichtigung der Speicherfüllstände zum 1. November 2023 wurden drei Szenarien für die Gasversorgung in Deutschland im Winter 2023/24 betrachtet:

  • Im ersten Szenario werden die Temperaturen des EU-Wetterjahres 2016 länderspezifisch zugrunde gelegt, um normale Temperaturen zu betrachten.
  • Ein weiteres Szenario nimmt „warme Temperaturen“ wie im europäischen Winter 2020 an.
  • Ein drittes Szenario untersucht die Gasversorgung für „kalte Temperaturen“ entsprechend des europäischen Winters 2010.

Die INES-Szenarien für die Gasversorgung im Winter 2023/24 wurden am 19. April 2023 basierend auf den Daten bis Ende März 2023 erstmalig veröffentlicht. Das November-Update ist die vierte Aktualisierung dieser Szenarien. Darin wurde die Datenlage bis zum Ende des Vormonats Oktober berücksichtigt.

Während der „Sommer-Phase“ (Mai bis Oktober 2023) veröffentlicht INES nur alle zwei Monate Updates zu den INES-Gas-Szenarien. Im Winter erfolgen die Updates monatlich. Das nächste Update ist entsprechend für den 14. Dezember 2023 geplant. Als Sonderthema wird darin das Konzept der Bundesnetzagentur zum Krisenmanagement näher beleuchtet.

Eine genaue Erläuterung der Szenarien und Ergebnisse erhalten Sie in den Präsentationsfolien zur Pressekonferenz sowie in der Dokumentation zur Präsentation. Darüber hinaus wurden alle Pressekonferenzen zu den Gas-Szenarien aufgezeichnet und können auf dem INES-YouTube-Kanal nachgeschaut werden.

Aktuelle Informationen zu den Gasspeicher-Füllständen in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern können Sie jederzeit über die INES-Speicherkarte abrufen. Darüber hinaus können dort Speicherdaten nicht nur nach unterschiedlichen Speichertypen (Kavernen- und Porenspeicher) sondern auch nach Gasqualitäten (L-/H-Gas und Wasserstoff) gefiltert werden.

Weitere Informationen:

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