12.05.2026

INES-Gas-Szenarien: Speicherstände unter Druck – Marktanreize für Einspeicherungen fehlen

Der deutsche Gasmarkt war im Zeitraum von Mai 2025 bis April 2026 von einem spürbaren Verbrauchsanstieg, einer intensiven Nutzung der Gasspeicher im Winter sowie schwierigen Rahmenbedingungen für die Wiederbefüllung geprägt. Trotz grundsätzlich ausreichender technischer Kapazitäten zur Einspeicherung sorgen hohe Gaspreise und veränderte Marktbedingungen aktuell für erhebliche Unsicherheiten mit Blick auf den Winter 2026/27.

Berlin, 12. Mai 2026 – Die INES-Modellrechnungen zeigen zwar, dass eine Befüllung der Speicher auf den aktuell vermarkteten Stand von 76 Prozent bis zum 1. November 2026 technisch möglich bleibt. Ob diese Kapazitäten tatsächlich genutzt werden, hängt jedoch wesentlich von der weiteren Preisentwicklung und vom Verhalten der Marktakteure ab. Die infolge der Einschränkungen globaler LNG-Lieferketten stark gestiegenen Gaspreise drehen den saisonalen Sommer-Winter-Spread regelmäßig ins Negative: Gas ist für den kommenden Winter ist häufig günstiger verfügbar als für den Sommer. Damit fehlen aktuell weitgehend wirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung, obwohl die Gasspeicher für die Gasversorgung im kommenden Winter eine zentrale Rolle spielen.

Gasverbrauch stieg bereits im Sommer 25

Bereits in den Sommermonaten 2025 lag der Gasverbrauch mit durchschnittlich rund 1,6 TWh pro Tag über dem Niveau des Vorjahres. Mit Beginn der Heizperiode stieg der Verbrauch nochmal deutlich an. Schon im Oktober 2025 überwogen die Ausspeicherungen erstmals die Einspeicherungen. Im November und Dezember nahm die Entnahme aus den Speichern weiter zu. Zwar blieb der Verbrauch im Dezember aufgrund vergleichsweise milder Temperaturen unter den Werten zu Jahresbeginn 2025, dennoch schloss das Jahr 2025 insgesamt mit einem Gasverbrauch von 910 TWh – ein Anstieg von 6,9 Prozent gegenüber 2024.

Kalter Januar beschleunigte Entleerung der Speicher

Besonders prägend für die Gasbilanz war der kalte Januar 2026. Die Temperaturen lagen unter dem Niveau des Referenzjahres im Normalszenario, wodurch die Ausspeicherungen gegenüber Dezember nahezu verdoppelt wurden. Rund 38 Prozent des im Januar verbrauchten Erdgases stammten aus Speichern. Infolge des erhöhten Verbrauchs sanken die bereits zuvor unterdurchschnittlich gefüllten Speicher bis Anfang März 2026 auf nur noch rund 21 Prozent.

Zwar führten die milden Temperaturen im März und April 2026 dazu, dass Importe und inländische Produktion den Gasbedarf wieder vollständig decken konnten und erste Einspeicherungen möglich wurden. Aufgrund stark gestiegener Gaspreise infolge der Sperrung der Straße von Hormus blieb die Wiederbefüllung der Speicher jedoch deutlich hinter früheren Jahren zurück. Am 1. Mai 2026 lag der durchschnittliche Speicherfüllstand in Deutschland lediglich bei rund 26 Prozent – ein Niveau, das zuletzt im Krisenjahr 2021/2022 erreicht wurde.

Versorgungssicherheit im kalten Szenario gefährdet

In einem kalten Szenario mit einem Temperaturniveau des Referenzjahres 2010 zeigen die Analysen Versorgungsknappheiten. In diesem Fall könnten in den Monaten Januar, Februar und März 2027 Unterdeckungen von insgesamt 20 TWh auftreten. In den Modellrechnungen kann an einzelnen Tagen über 35 Prozent des Gasverbrauchs nicht mehr gedeckt werden.

Sebastian Heinermann, Geschäftsführer von INES, kommentiert:

„Die Analysen der INES-Gas-Szenarien verdeutlichen, dass neben ausreichenden technischen Kapazitäten insbesondere marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheidend für die Versorgungssicherheit im kommenden Winter sein werden. Um auch auf einen sehr kalten Winter vorbereitet zu sein, müssen Speicherkapazitäten nicht nur ausreichend gebucht, sondern auch befüllt sein. Wir wissen bereits aus dem letzten Winter, dass eine Buchungs- und Befüllungssituation in Höhe von 76 Prozent nur reicht, wenn das Wetter mitspielt.“

 

HINTERGRUND ZU DEN INES-GAS-SZENARIEN:

INES modelliert fortlaufend die europäischen Gasmärkte, um die Sicherheit der Gasversorgung zu bewerten. Für das Mai-Update wurden die Szenarien auf Basis der realen Speicherfüllstände zum 1. Mai 2026 sowie aktualisierter Temperatur- und Verbrauchsdaten berechnet.

Eine ausführliche Beschreibung der Annahmen und Ergebnisse ist in der Dokumentation zum Mai-Update enthalten. Ein begleitender Foliensatz stellt die zentralen Inhalte übersichtlich dar.

INES veröffentlicht alle zwei Monate Updates zu den INES-Gas-Szenarien. Das nächste Update ist für den 7. Juli 2026 geplant.

Aktuelle Informationen zu den Gasspeicherfüllständen in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern können Sie jederzeit über die INES-Speicherkarte abrufen. Darüber hinaus können dort Speicherdaten nicht nur nach unterschiedlichen Speichertypen (Kavernen- und Porenspeicher) sondern auch nach Gasqualitäten (L-/H-Gas und Wasserstoff) gefiltert werden.

 

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